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47 Jahre Deutsch-Französische Freundschaft:Die Ursulinenschülerinnen zu Besuch in Tassin-la-Demi-Lune

In einer Zeit, in der Europa vor globalen Herausforderungen steht und populistische Strömungen zunehmen, gewinnt die deutsch-französische Freundschaft eine besondere Bedeutung. Direkte Begegnungen mit Gleichaltrigen machen Demokratie erlebbar - nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebter Dialog.
Lyon: Blick vom Fourvière-Hügel auf Altstadt, Saône und La Part Dieu
Datum:
22. März 2026
Von:
Christiane Habeck

Nach langer Vorbereitungszeit war es endlich so weit: 16 Schülerinnen der Realschule und des Gymnasiums konnten am Freitag, den 13. März 2026, ihre Reise nach Frankreich antreten, um am Schüleraustausch mit der Institution St. Joseph in Tassin-la-Demi-Lune teilzunehmen.

Diesmal waren wir mit dem Zug unterwegs anstatt wie in den letzten Jahren mit dem komfortablen Reisebus. Dies stellte aber, abgesehen vom anstrengenden Muskeltraining durch Gepäckverladen beim Ein- und Aussteigen, kaum eine vor größere Herausforderungen und irgendwie ging die fast zehnstündige Fahrt dann auch endlich zu Ende. Um kurz nach acht abends konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beider Schulen dann persönlich kennenlernen. 

Das Wochenende verbrachten die Schülerinnen in ihren Gastfamilien, wo sie direkt erleben konnten, worauf sie der Französischunterricht vorbereitet hat, beispielsweise französische Traditionen und kulinarische Besonderheiten.

Am Montag trafen sich dann die deutschen Schülerinnen mit ihren Lehrerinnen vor der französischen Schule, um gemeinsam mit Bus und Métro zu einem Ausflug ins nahegelegene Lyon aufzubrechen. Die französische Kollegin Madame Dussuel hat für die ganze Woche ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Wir starteten mit einer abwechslungsreichen Stadtführung, bei der uns im alten Seidenweberviertel La Croix Rousse ausgefallene Street Art und Graffiti-Kunst nähergebracht wurden. Die deutschsprachige Stadtführerin zeigte uns beeindruckende Wandmalereien, kreative Papierkunst an Hauswänden sowie minikleine Mosaike in Schlaglöchern auf Gehwegen. Es war eine Tour der besonderen Art, bei der nie Langeweile aufkam.

Zwei Stunden später kamen wir am Place des Terreaux auf der nördlichen Halbinsel Lyons zwischen Saône und Rhône an, um dort bei einer kleinen Mittagspause zu entspannen. Das Wetter war auf unserer Seite und es blieb noch genug Zeit, durch die Stadt zu bummeln, bevor wir wieder den Rückweg zur Schule antreten mussten, um dort die französischen Austauschschülerinnen und Austauschschüler zu treffen.

Am Dienstag war unser gemeinsamer Schultag in der Institution St. Joseph. Wir wurden nicht nur den Austauschschülerinnen und -schülern zugeteilt, sondern teilweise auch anderen französischen Schülerinnen und Schülern, um zu vermeiden, dass die Unterrichtsräume aus allen Nähten platzen. Für die Ursulinenschülerinnen war es ein spannender Tag. Die Unterschiede zwischen der Schule in Deutschland und der Schule in Frankreich sind trotz der Nähe der beiden Länder zueinander recht groß. So darf beispielsweise niemand einfach das Schulgelände betreten, ohne das Carnet de correspondance vorzuzeigen. Am verschlossenen Eingang stehen zwei sog. Surveillants, die alles kontrollieren. Auf dem Hof treffen sich die Klassen auf einem ihnen zugewiesenen Aufstellplatz, auf dem sie dann von ihrer Lehrperson abgeholt werden. Einige Ursulinenschülerinnen berichteten von dynamischem Englischunterricht, einem netten Mathelehrer, aber auch von durchweg frontalem Geschichtsunterricht inklusive Diktat. Um zwölf Uhr ging es für alle in die schuleigene Mensa, wo es ein vielfältiges Angebot zum Mittagessen gab: Salat, Brot, Hauptgericht, Joghurt, Gebäck.

Der Schultag war aber noch lange nicht zu Ende: Erst um 16:50 Uhr endet ein regulärer Schultag in St.Jo.

Der Mittwoch war für unseren gemeinsamen Ausflug mit den französischen Austauschschülerinnen und -schülerin reserviert. Wir hatten für den ganzen Tag einen Reisebus zur Verfügung – was für ein Luxus!

Am Vormittag hatten wir das große Glück, das Stadion des Fußballclubs Olympique Lyonnais zu besichtigen. Es ist das drittgrößte Stadion Frankreichs. Es fasst 59.286 Besucherinnen und Besucher und sogar Taylor Swift ist hier schon einmal aufgetreten. Die Frauenfußballmannschaft des OL steht auf der UEFA-Rangliste sogar auf dem 2. Platz! OL Lyones ist ein echter Pionier des Frauenfußballs.

Nachmittags sind wir mit dem Reisebus zurück in die Innenstadt von Lyon gefahren, um dort nach einer kleinen Stärkung zur Mittagszeit das Museum der Gebrüder Lumière zu besuchen. Dort konnten wir erfahren, wie  Auguste und Louis Lumière die Kinematografie entwickelten. Ausgestellt sind frühe Filmkameras, historische Projektoren und originale Filmaufnahmen aus den Anfängen des Kinos. Wir konnten außerdem sehen, wie die ersten Filme entstanden und warum Lyon als einer der Geburtsorte des Films gilt.

Nach unserem Museumbesuch konnten wir noch ein wenig durch das Stadtviertel Monplaisir im 8. Arrondissement spazieren.

Donnerstag war dann auch schon unser letzter Tag. Wir trafen uns morgens wieder an der Schule in Tassin-La-Demi-Lune und fuhren anschließend mit dem Zug in die Altstadt von Lyon. Dort besichtigten wir mit Madame Dussuel die Kathedrale St. Jean, das Gericht und die Altstadt mit ihren Traboules. Die Traboules wurden ursprünglich gebaut, damit die Seidenweber – die sogenannten Canuts – ihre empfindlichen Stoffe schnell und geschützt vor Regen und Schmutz von den Werkstätten zu den Händlern transportieren konnten.

Später spielten die Traboules auch eine wichtige Rolle während der Résistance im Zweiten Weltkrieg: Mitglieder der Résistance nutzten die versteckten Durchgänge, um sich unbemerkt durch die Stadt zu bewegen und vor deutschen Besatzungstruppen zu fliehen.

Nachdem alle Schülerinnen in den vielen kleinen Läden der Altstadt ihre letzten Souvenirs besorgt hatten, erklommen wir tapfer den Fourvière-Hügel, um bei strahlendem Sonnenschein im Amphitheater eine Mittagspause zu machen.

Das absolute Highlight der Woche war für uns alle die Besichtigung der Basilika Notre Dame de La Fourvière von oben. Nur wer schon einmal auf einem Kirchendach, das ohnehin schon über der Stadt auf einem Hügel thront, herumgeklettert ist, und von dem aus man bei blauem Himmel von den Monts du Lyonnais bis in die Alpen schauen kann und von wo aus Lyon aussieht wie das Miniatur Wunderland, kann nachvollziehen, was für eine großartige Erfahrung wir gemacht haben! Es war einfach der Wahnsinn. Die Bilder sagen eigentlich alles.

Schweren Herzens mussten wir uns dann am Freitag auf den Rückweg nach Deutschland machen. Eine Woche voller neuer Eindrücke, Begegnungen und unvergesslicher Erlebnisse lag hinter uns. Der Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind und wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft sein kann. Wir kehren mit vielen Erinnerungen, neuen Freundschaften und einer großen Portion Vorfreude auf den Gegenbesuch unserer französischen Austauschpartnerinnen und -partner zurück. 

Vive l’amitié franco-allemande!

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