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Bericht aus dem Auslandsjahr in Virgina Beach

Vor 9 Monaten bin ich alleine nach Amerika geflogen, ursprünglich für 5 Monate nach Virginia Beach. Niemals hätte ich mir vorstellen können, wie sehr sich mein Leben in dieser Zeit verändern würde.
Football game
Datum:
9. Juni 2026
Von:
Finja
Sandbridge beach in Virginia Beach

Als ich in den Flieger stieg, hatte ich gar keine Erwartungen. Ich kannte meine Gastfamilie nur durch ein 45-minütiges Telefonat, hatte mit zwei Mitschülerinnen einen Monat zuvor geschrieben und plötzlich stand ich am Flughafen, verabschiedete mich von meinen Eltern und wusste, dass ab diesem Moment alles anders sein würde. 

Mein Auslandsjahr verbringe ich in Virginia Beach auf einer kleinen privaten christlichen Schule, die ganz anders war, als ich sie mir vorgestellt hatte. Mein Schultag beginnt jeden Morgen um 7:25 Uhr und endet erst um 15:20 Uhr. Jeden Tag derselbe Stundenplan und nach der Schule entweder 1,5 Stunden Hürden-/Sprinttraining oder Theater. Besonders am Anfang war alles unglaublich überwältigend. Mit drei Fächern hatte ich große Probleme. U.S. History, weil ich das Gefühl hatte, gar nichts über die amerikanische Geschichte zu wissen, Anatomy, weil ich nicht einmal die englischen Begriffe für die einfachsten Körperteile kannte, und Mathe, als ich von einem Tag auf den anderen plötzlich 14 verschiedene Graphen erkennen und zeichnen musste. Diesen Test habe ich übrigens nicht bestanden… Trotzdem habe ich mich nach ungefähr drei Monaten immer mehr eingelebt. Mittlerweile fällt mir die Schule ziemlich leicht und manchmal wird in Schulstunden auch ein Nickerchen gemacht. Rückblickend ist es erstaunlich zu sehen, wie schnell man sich an ein komplett neues Leben gewöhnen kann. 

Classroom

Eine der größten Veränderungen war der Wechsel meiner Gastfamilie und das Zusammenleben mit meiner besten Freundin. Ihre Mutter ist wie eine Freundin für mich und sie gibt ihr Bestes, meine “America-Bucket-List” mit mir abzuarbeiten. 

Mein Auslandsjahr ist voller besonderer Momente, die für viele Menschen hier völlig normal sind, für mich vor einem Jahr (und auch jetzt noch), aber nur Dinge aus amerikanischen Filmen oder Social Media waren. Ich war bei Football-, Basketball- und Baseball-Games, habe HOCO und PROM erlebt, war unzählige Male am Strand und habe gefühlt jedes Fast-Food-Restaurant ausprobiert, von Raising Cane’s über Crumbl Cookie bis Taco Bell. Vor allem durfte ich aber einfach dieses typische amerikanische Teenagerleben erleben, das ich früher nur aus Serien kannte. Mein absolutes Highlight war jedoch, als ich mit meiner Gastfamilie für ein Wochenende nach New York flog und alle Sehenswürdigkeiten erkunden konnte. 

New York Trip

Natürlich gab es auch viele lustige Missverständnisse. An meinem ersten Schultag war ich so nervös und überfordert, dass ich meiner amerikanischen Freundin aus Versehen einfach auf deutsch antwortete. Ein anderer Fehler unterlief mir, als mir meine Freundin ein Audio von sich beim Singen schickte und ich antworte “Wow, you sound like an angle” anstelle von “angel”. Bis heute machen sich meine Freunde/-innen darüber lustig. 

School hallway

Wenn ich mein Auslandsjahr zusammenfassen müsste, würde ich sagen, dass ich vor allem selbstständiger, selbstbewusster und offener geworden bin. Ich habe gelernt, mit Menschen umzugehen, die ganz andere Meinungen und Sichtweisen haben als ich und trotzdem verbindet uns oft so viel mehr, als uns trennt. Genau das hätte ich früher wahrscheinlich nie so verstanden.

Innerhalb eines Tages hat sich damals mein ganzes Leben verändert. Neue Schule, neue Freunde, neues Zuhause und plötzlich ein komplett anderer Alltag. Mittlerweile fühlt sich Virginia Beach für mich wie ein zweites Zuhause an und genau deshalb macht mir der Gedanke an die Rückkehr nach Deutschland manchmal auch Angst. Nicht, weil ich mich nicht freue, meine Familie und Freunde wiederzusehen, sondern weil ich weiß, dass sich in einem Jahr vieles verändert.

Manchmal frage ich mich, ob Freundschaften noch genauso sein werden wie vorher oder ob ich mich erneut an ein ganz neues Leben gewöhnen muss. Der Gedanke drückt auf mein Herz, weil ich weiß, dass manche Momente wahrscheinlich nie wieder genauso sein werden wie früher. Trotzdem schaue ich voller Vorfreude und Dankbarkeit in die Zukunft. Ich habe noch eine Woche Schule und danach zwei Wochen Sommerferien, bevor ich wieder nach Deutschland zurückkehre.

Finja

Mein größter Dank geht an meine Eltern, die mir diese unglaubliche Erfahrung ermöglicht haben und jeden einzelnen Tag fuer mich da waren, obwohl über 6000 Kilometer zwischen uns liegen. Nach zwei Gasteltern und drei Gastschwestern wurde mir noch mehr bewusst, wie dankbar ich für meine eigene Familie bin und dass ich wirklich die besten Eltern und Geschwister auf der ganzen Welt habe!