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Exkursion der Lateinkurse der Jahrgangsstufe G9

Datum:
15. Juli 2026
Von:
Marlene W., G9b

„Limes, limitis, m“ kann mit Grenzlinie oder Begrenzung übersetzt werden, bezeichnet aber nicht nur die militärische Grenzmarkierung des römischen Reiches, sondern auch einen Ort, an dem friedlicher Handel mit den nicht-römischen Völkern betrieben wurde.

Was uns, der Jahrgangsstufe 9, bereits aus dem Lateinunterricht bekannt gewesen war, durften wir am 10. Juni 2026 bei einer Exkursion zum Römerkastell Saalburg vertiefen.

Trotz der Sperrung der Nordbrücke starteten wir wie geplant um acht Uhr an der Schule mit dem Reisebus, um uns auf den Weg nach Bad Homburg in Hessen zu machen.

Schon vor dem Betreten des Museums erhielten wir erste Eindrücke von der Antike, dort befanden sich nämlich Überreste einer Therme und einer Herberge des Vicus. „Vicus“ heißt übersetzt unter anderem „das Dorf“, in diesem Fall bezeichnete es das sogenannte Lagerdorf außerhalb des Kastells. Hier lebten die Frauen und Kinder der Soldaten, wie wir später erfuhren.

Nachdem wir den Eingang passiert hatten, teilte sich unsere Jahrgangsstufe in die beiden Lateinkurse G9a und G9bc auf. Während die G9a zunächst professionell durch die Anlage geführt wurde, hatte der andere Kurs die Möglichkeit, sich bei einer Rallye selbstständig ein Bild von dem Museum zu machen.

Bei der Rallye lernten wir die lateinischen Bezeichnungen für römische Provinzen, wobei sich die Saalburg in „Germania Superior“ (im oberen Germanien) befand. Außerdem durften wir uns die rekonstruierten Gebäude aus der Nähe ansehen, besonders im Fokus standen dabei das Haupttor des Kastells, auf Latein „porta praetoria“, und das Horreum, also das Lagerhaus.

Die Rekonstruktionen vermittelten nicht nur ein Bild von der Antike, sondern veranschaulichten außerdem, dass sich Erkenntnisse in der Forschung immer weiterentwickeln.

Der Grund dafür ist, dass die Rekonstruktion des römischen Lagers bereits im Jahr 1897 auf Geheiß des deutschen Kaisers Wilhelm II. begonnen worden war und bis 1907 fertiggestellt wurde. Daher ist beispielsweise das Horreum aus grauen Steinen erbaut worden, obwohl heute davon ausgegangen wird, dass ausschließlich weiße Gebäude in römischen Kastellen standen. Diese neue Erkenntnis kann nicht nachträglich zu der ursprünglichen Konstruktion hinzugefügt werden, da sie unter Denkmalschutz steht.

Seit 2005 ist dieser Teil des Limes, der Obergermanisch-Raetische Abschnitt, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, was neue Ergänzungen nach heutigem Forschungsstand ermöglicht.

Schließlich nahm auch der Kurs der G9bc an einer Führung teil, bei welcher der strömende Regen zwar eine Tour über das Gelände verhinderte, das Wetter uns aber nicht davon abhalten konnte, neue Einblicke in die römische Kultur und Lebensweise innerhalb des Kastells zu gewinnen.

Wir erfuhren nicht nur von dem nach heutiger Sichtweise verschwenderischen Wasserverbrauch und der priorisierten Hygiene der Römer, sondern auch, dass sich ihnen bereits die Welt der Kosmetik eröffnet hatte, wenn auch auf einer natürlicheren Ebene, zumindest bei der Zutatenwahl.

Besonders interessant war die Unterscheidung des Fremdenführers zwischen Römern und „Möchte-gern“-Römern. Beide Volksgruppen waren Teil des Heers, wobei die „echten“ Römer meist nur durch die Aussicht auf ein regelmäßiges Einkommen und auf Landbesitz nach 25 Jahren Dienstzeit gelockt wurden, während bei den „Möchte-gern“-Römern, die ursprünglich zu nicht-römischen Völkern gehört hatten, auch eine Staatsbürgerschaft für sich und die eigene Familie in Aussicht stand.

Neben Erläuterungen über die Unterschiede zwischen den „echten“ und „unechten“ Römern in Bezug auf die Rüstung – „Möchte-gern“-Römer trugen einen ovalen, keinen rechteckigen Schild – deckte der Museumsführer verbreitete und etablierte Lügen über das Dasein des Volkes auf.

So ist der verbreitete Glaube, das römische Heer hätte rote Tuniken unter der Rüstung getragen, eine widerlegte Hypothese. Es stand allein der adligen Bevölkerung Roms, aber insbesondere dem Kaiser zu, diese Farbe zu tragen. Das Heer kleidete sich vermutlich in Beige, schließlich waren die Kleidungsstücke oft aus Wolle gefertigt, während reichere Kaufmänner ihren Einfluss durch die Farbe Purpur, gewonnen aus der gleichnamigen Schnecke, symbolisierten und zur Schau trugen.

Bevor wir lernten, einen antiken Altar von einem Grabstein zu unterscheiden, wurden wir darauf hingewiesen, dass die römische Bevölkerung, anders als zur heutigen Zeit, keine Körperbehaarung erduldete, das Tragen einer solchen galt als unzivilisiert und respektlos. Viele Hollywood-Produktionen wirkten dadurch unrealistisch, wurde uns erklärt.

Nachdem beide Kurse das Programm absolviert hatten, versammelten wir uns unter einem Unterstand für eine kurze Pause. Leider wurde das fast schon meditative Geräusch der Regentropfen von einer sich breitmachenden Kälte begleitet, was uns dazu veranlasste, den Rückweg anzutreten. Während der über zweistündigen Rückfahrt durften wir unseren Besuch in dem Römerkastell reflektieren – oder einfach Musik hören.

 

Insgesamt konnten wir trotz des Regens neue Einblicke in das Leben der römischen Soldaten gewinnen und uns einen Schritt von dem Status „Möchte-gern“-Lateinerinnen entfernen. Schließlich wissen wir jetzt, was der Unterschied zwischen einem antiken Altar und einem Grabstein ist – eine Fähigkeit, auf die im Leben der Römer_innen sicherlich nicht verzichtet werden konnte (einen Grabstein als Altar zu benutzen, hätte sicher für Schwierigkeiten gesorgt...).

Vielen Dank an Frau Verheyen und Herrn Winkelmeier für die Begleitung :) !