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Pizza, Pasta, Großfamile

Unsere Schülerin Nola aus der Jahrgangsstufe 10 berichtet von ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in Padua in Italien.
Padua
Datum:
8. Sept. 2026
Von:
Nola L., Jgst. 10
Padua bei Nacht

Jeder weiß, dass Italien für sein gutes Essen, die entspannte Lebenseinstellung und natürlich auch für das gute Wetter bekannt ist. Aber die interessantesten Dinge über die italienische Kultur kann man erst wirklich herausfinden und wertschätzen, wenn man tatsächlich Teil der italienischen Gemeinschaft ist. Dies kann man nicht durch einen langen Urlaub erfahren oder dadurch, dass man super viele italienische Filme guckt.

Ich hatte das Glück ein halbes Jahr in Italien zu verbringen, und das waren die besten sechs Monate meines Lebens. Ich habe so viel erlebt und Neues dazugelernt. Außerdem habe ich deren Kultur nochmal komplett neu kennen gelernt und viele wertvolle Freundschaften geknüpft.

Als ich angekommen bin, war mir direkt klar, dass ich sehr viel Glück mit meiner Familie hatte, eine typisch italienische Großfamilie, in der immer etwas los war. Ich hatte fünf Gastschwestern, einen Gastbruder und zusätzlich auch noch eine Katze. Ich habe mich direkt willkommen gefühlt, da jedes einzelne Familienmitglied Herzenswärme ausgestrahlt hat. Meine Gastgeschwister waren 9 bis 24 Jahre alt, also war ich direkt in der Mitte und das hat auch dazu geführt, dass ich zu vielen eine sehr gute Beziehung aufbauen konnte. Wir haben zusammen Karten gespielt, Filme geguckt, gebacken, Ausflüge an den Strand gemacht, sind ins Theater gegangen und abends haben wir meistens alle zusammen gegessen. 

Il mercato

Padua ist eine historische Universitätsstadt in der norditalienischen Region Venetien. Sie ist mit der Bahn ca. 45 min von Venedig entfernt. Die Stadt ist eine der ältesten Städte Italiens und ihre Universität wurde im Jahr 1222 gegründet und ist damit eine der ältesten Hochschulen der Welt. Außerdem bietet Padua viele historische Gebäude, wie die Scrovegni-Kapelle, die weltberühmten Bemalungen von Giotto aus dem 14. Jahrhundert zeigt. Direkt neben dieser Kapelle gibt es auch ein Museum, das „Museo civico agli Eremitani“ welches unglaublich viele archäologische, mittelalterliche und moderne Kunstsammlungen beherbergt. 

Sehr interessant fand ich auch, dass Padua der Geburtsort von Aperol ist. Aperol ist ein sehr beliebtes italienisches Getränk, welches man meistens abends oder nachmittags als Aperitif trinkt. Wenn man dieses Getränk in Italien bestellt, bekommt man immer gratis dazu eine Kleinigkeit zu essen, wie zum Beispiel Nüsse oder Chips.

Ich habe in Padua sehr, sehr nah an der Innenstadt gewohnt, was für mich wirklich praktisch war. Ich bin überall relativ schnell hingekommen, zum Beispiel zur Schule oder wenn ich zum Training musste oder zu Treffen mit meinen Freunden habe.

La spiaggia

Meine Schule hieß „Liceo Nievo“ und war zu Fuß zehn Minuten von meinem Haus entfernt. 

Das erste Mal, als ich in die Schule gegangen bin hatte ich tatsächlich meinen ersten Kulturschock seit meiner Anreise nach Padua. Generell denke ich, dass der größte Unterschied zwischen Deutschland und Italien das Schulsystem ist.

Die Jahrgänge in Italien sind ähnlich wie in England eingeteilt, also mit einer Grundschule bis zur 5. Klasse, dann drei Jahre Mittelschule und dann wechselt man zur weiterführenden Schule und macht dort sein Abi. Deren Schulsystem ist ab der weiterführenden Schule spezifischer auf die jeweiligen Interessen fokussiert: Es gibt einmal das „Classico“, was man eigentlich mit einem altsprachigen Gymnasium vergleichen kann. Dann gibt es das „Scientifico“ was sich auf Naturwissenschaften fokussiert und meistens als einzige Fremdsprachen Latein und Englisch anbietet. Außerdem ist da noch das „Linguistico“, das den Schwerpunkt auf Sprachen legt, zu so einer Schule bin ich gegangen. In meiner Klasse wurden die Fremdsprachen Latein, Französisch, Spanisch und Englisch unterrichtet. Der Unterricht lief ganz anders ab, als ich es gewohnt war, denn die meiste Zeit haben die Lehrer uns irgendetwas diktiert oder vorgelesen und die Schüler haben alles mitgeschrieben. Generell war es sehr oft so, dass die Schüler viel zu Hause lernen mussten. Es war auf jeden Fall interessant eine neue Schulform zu lernen und ich habe sehr viel Respekt für alle, die in Italien zur Schule gehen.

Es gab auch regelmäßig sogenannte „Interrogazioni“, bei der ein Schüler oder eine Schülerin meistens spontan nach vorne gerufen wurde, um sie dann über die aktuellen Themen abzufragen. Am Ende gab es dafür auch immer eine Note. Diese Abfragung kamen tatsächlich sehr häufig vor und waren bei allen gefürchtet. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass es das nicht in solchen Maßen bei uns an der USH gibt. Eine Sache, die ich mit Sicherheit nicht vermissen werde, ist der Samstagsunterricht. Da habe ich dann realisiert wie schön Samstage sind, wenn man dann keine Schule hat. Ansonsten war ich aber wirklich sehr zufrieden mit allem. Die Schüler waren größtenteils super nett und offen und ich hatte trotz den geklauten Samstagen eine sehr schöne Zeit dort. Italiener sind einfach wirklich extrem sympathisch und sehr offen. Am Anfang war ich ja immer die Neue bei Allem und ich hatte sehr viel Angst davor, aber das hat sich wirklich schnell geändert, da ich immer gut aufgenommen wurde und es immer Menschen gab, die mir direkt das Gefühl gaben, schon ewig dazuzugehören.

volare a casa

Eine weitere Sache, die ich an Italien liebe, ist das Chaos. Das hört sich jetzt zwar komisch an, aber es ist wirklich so. Italien ist einfach chaotisch aber nicht auf diese super stressige Art, sondern eher, dass man merkt, wie viel Lebensfreude in den Italienern steckt. Immer und überall wird geredet und gelacht und dann halt auch manchmal mit etwas lauterer Stimme und ganz viel Emotionen.

Ich muss tatsächlich auch sagen, dass in meiner Gastfamilie einige Stereotypen erfüllt wurden, zum Beispiel, dass wir immer einmal die Woche Pizza gegessen haben. IMMER. Ohne Ausnahme. Als ich dann bei meinen Freunden nachgefragt habe, ob das normal ist, haben viele gesagt, dass es bei ihnen genauso ist. Oder, dass wir wirklich jeden Tag mindestens einmal Pasta gegessen haben.  

Ich habe so viele Sachen erlebt und gelernt, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Aber das Allerwichtigste, das ich über die Zeit gelernt habe, ist, dass es sich IMMER lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen. Die erste Woche in Italien war so aufregend und aber auch irgendwie die schlimmste Woche von diesen 6 Monaten, weil das so ungewohnt für mich war, aufzuwachen und eigentlich niemanden in einer Umgebung zu kennen. Und dann war da auch noch die andere Sprache, die ich jeden Tag sprechen musste, um überhaupt voran zu kommen. In der ersten Woche hatte ich sehr viel Heimweh und ich hatte Angst, dass das jetzt für die nächsten sechs Monate so bleiben würde.

Aber nachdem ich mich erst mal an alles gewöhnt hatte, was schneller ging als ich dachte, wurde es viel besser. Ich würde diesen Austausch immer wieder neu anfangen, wenn es möglich wäre und ich denke, jeder muss mindestens einmal in seinem Leben im Ausland zur Schule gehen oder studieren, egal für wie lange, um dieses Gefühl zu erleben.

Ich bin extrem dankbar für diese Erfahrungen und werde sie nie vergessen. <333